Carretera Austral

Hier ein paar Eindrücke von der Carretera Austral – sorry für die teilweise schlechte Bildqualität, wurde durch das Busfenster aufgenommen. Ein eigener Wagen wäre hier für die ganzen Fotostopps und Ausflüge Gold wert gewesen, denn es gibt unterwegs viel zu sehen und noch viel abgelegenere Orte zu erreichen, war mir aber zu teuer. Aus dem Fenster gucken und genießen war auch schon ganz okay 😉

Meine Route ging von Puerto Tranquilo (Marble Caves) zunächst in den Süden nach Cochrane (Tamango Reserve) – weiter südlich habe ich mich nicht getraut, weil es hinter Cochrane kaum noch Busverkehr gibt und es langsam auch recht frisch hier unten wird. Anschließend ging es hoch in den Norden nach Coyhaique, der einzigen richtigen Stadt an der Carretera.

In Puyuhuapi habe ich meinen ersten echten Tsunami-Alarm erlebt (nach dem Beben in Nordchile mit Stärke 8,2), die Polizei fuhr herum und machte Lautsprecherdurchsagen dass wir das Gebiet verlassen sollen… die Einwohner hat das aber wenig gejuckt, das käme hier öfters vor und wegen der Lage in der Bucht würde allerhöchstens eine kleine Welle an den Strand schwappen… typischer Fall von zu häufiger Alarmierung die nun keiner mehr Ernst nimmt. Am nächsten Morgen haben wir noch gelebt und so habe ich mit einem Paar aus Frankreich den Tag genutzt um die dortigen heißen Quellen zu besuchen (wir waren die einzigen Gäste und hatten die komplette Anlage für uns).

Von La Junta versuchte ich zunächst per Anhalter weiter zu fahren, denn der Bus hatte nur begrenzt Platz, fuhr nur 2 mal die Woche und wir wussten von mindestens einem Dutzend Leute die alleine in La Junta auf ihn warteten (und zum größten Teil ebenfalls versuchten Autos zu stoppen)… nach 2 Tagen, an denen kein einziger von uns mitgenommen wurde (an meiner Nase hat es also wohl nicht gelegen), entschlossen wir dann mit 7 Leuten wieder einen privaten Minibus zu chartern, der uns bis ins 70 Kilometer entfernte Santa Lucia brachte, dort sollte es wieder tägliche Busverbindungen geben, von wo dann aber auch das Autostoppen einwandfrei funktionierte (wir kamen noch am selben Abend in Chaiten an).

In Chaiten habe ich an ein paar Ausflügen mit Guide teilgenommen. Es wäre allein wohl auch etwas günstiger mit dem öffentlichen Bus gegangen, aber war ganz angenehm mit anderen Leuten zusammen auf einen Vulkan zu klettern und außerdem etwas über die Geschichte des Ortes (den Vulkanausbruch 2008, wie die Regierung versucht hat die Leute umzusiedeln und wie sie sich dagegen gewehrt haben) zu hören. Am Abend wurden wir von einem Filmteam, das im gleichen Hostel wohnte und in Chaiten gerade ein Drama drehte, zu einer kleinen Party eingeladen.

Man sieht zur Zeit eine Menge Bautätigkeit entlang der Carretera, im Reiseführer steht noch dass der allergrößte Teil unbefestigt sei, aber das gilt für viele Teilstücke schon nicht mehr – und der Rest scheint wohl auch nach und nach verbreitert und asphaltiert zu werden. Ich denke in ein paar Jahren wird das hier unten ganz anders aussehen.

Seit gestern Abend liegt die Carretera Austral hinter mir und ich bin zurück in der Zivilisation – hier gibt es Annehmlichkeiten wie Geldautomaten, Supermärkte, halbwegs schnelles Internet, beheizte Zimmer, richtige Duschen … – aber auch Kehrseiten, wie z.B. eine vergleichsweise hohe Kriminalität, weshalb ich mich in Puerto Montt gar nicht länger aufgehalten habe (hört man nur schlechtes drüber), sondern direkt ins nahegelegene Puerto Varras geflüchtet bin (etwas entspannter, aber auch hier werden die Türen nachts abgeschlossen, ein sehr ungewohntes Bild nach über 2 Monaten Patagonien und Feuerland).

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