Bericht der letzten Tage

Bin für heute Abend auf einem kostenlosen Campingplatz abgestiegen, daneben gibt es eine rund um die Uhr geöffnete Lodge mit Wifi (und Miezekatze… sweet), also mal ein kleines Update… 🙂

Wifi Lodge mit Katze ;)

De Katz!!!

Nachdem ich Tok verlassen hatte, war auch der Handyempfang weg, also schon weit vor Kanada. Ich hatte zwar zuhause geschaut, wie es mit Kanada und GSM Empfang aussieht, angeblich kein Problem, scheint aber nur für Großstädte zu gelten – jedenfalls hatte ich bis heute kein Netz. Aber das war vielleicht auch ganz gut so, sonst hätte ich Euch nur die Ohren vollgeheult 😉

Mit Tok hatte ich den nördlichsten Punkt meiner Reise erreicht, es ging also gemächlich Südost der Sonne entgegen… seitdem hatte ich aber auch ziemlich starken Gegenwind, die letzten Tage ist er immer mehr zu einem kleinen Sturm ausgewachsen. Das ging natürlich ganz schön auf die Knochen, schließlich musste ich meinen Tagesschnitt halten, um rechtzeitig Campgrounds und Läden zu erreichen. Außerdem bewegt man sich mittlerweile nichtmal bergab mehr vorwärts, wenn dieser eklige Wind bläst… das Rad bleibt einfach stehen. Für morgen ist übrigens noch heftigerer Wind angekündigt… :>

Habe unterwegs (kurz hinter Tok) 2 andere Radfahrer aus Belgien getroffen (Peter und Luc), die beiden radeln deutlich schneller als ich, dafür aber nicht so lange – daher habe ich sie abends immer eingeholt und wir haben zusammen auf den Campgrounds gezeltet.

Die letzten Nächte war ich eigentlich nur noch auf Campgrounds und nicht mehr in der Wildnis zelten, man lernt halt doch die Annehmlichkeiten schätzen und die meisten sind sogar umsonst. Nur verdammt kalt ist es draußen, für heute Nacht sind -5°C angekündigt… da wünscht man sich doch ein Motel, aber auf die Dauer für mich einfach nicht finanzierbar – die Preise für ein Motel bewegen sich zwischen 50 und 90 Dollar (bei den günstigen schlage ich dann meistens zu, um mal heiß duschen zu können und Wäsche zu waschen und vor allem zu trocknen, das ist bei den Außentemperaturen nämlich das größere Problem.

Einkaufen ist, wie schon geschrieben, auch eine Herausforderung. Der letzte richtige Supermarkt war in Tok, die einzigen „Einkaufsmöglichkeiten“ danach waren immer nur Tankstellen (selbst die sind aber ziemlich rar hier, von 5 in Karten eingezeichneten Tankstellen hat momentan vielleicht 1 offen), wo es halt das übliche Junkfood wie Chips, Beef Jerky, Schokoriegel usw. gibt. Wenn man Glück hat, ein paar eingemachte Früchte, Joghurts oder ein Sandwich… aber halt keine größere Verpflegung für mehrere Tage. Hab in Tok zum Glück sicherheitshalber etwas mehr eingekauft und ja auch noch die Instantfood-Notrationen dabei, verhungern werde ich also wohl nicht, aber bis Haines Junction (noch 120km) wird es vorraussichtlich keinen Supermarkt geben (morgen in Destruction Bay evtl. wieder eine kleine Tankstelle oder so mit Snacks).

Bären habe ich übrigens immer noch keine gesehen, allerdings haben letzten Abend Peter und Luc (die etwa eine halbe Stunde vor mir radelten) etwa 2 km vor dem Campground einen Schwarzbär und einen Grizzly-Bär gesehen – und wenig später kamen Camper aus der anderen Richtung, die ebenfalls einen Grizzly gesehen haben, wir waren diese Nacht also von Bären umzingelt, was uns veranlasste unser Essen extra weit entfernt und sicher wegzupacken 😉

Bin nun gerade am überlegen, wie ich weiter reise… im Prinzip gibt es 4 Optionen:

  1. Whitehorse und weiter Alaska Highway in Richtung USA: die längste Route von allen, da ich meine grüne Karte an der Grenze behalten habe, kriege ich leider keine neuen 90 Tage Visum für die USA, für die Sierra Cascades Route bliebe also danach faktisch keine Zeit
  2. Whitehorse und dann Cassiar Highway: wäre etwas kürzer, in Prince Rupert bestünde außerdem Anschluss an das Marine Highway System, über das ich dann relativ fix in die USA käme, zeitlich hätte ich dann also kein Problem. Allerdings bedeutet Cassiar Highway min. 700 km Wildnis ohne richtige Läden, d.h. ich müsste für weit über 1 Woche Essen mitschleppen.
  3. bei Haines Junction abbiegen nach Haines (USA) und mit dem Marine Highway nach Bellingham: dann könnte ich sofort mit der Sierra Cascades Route anfangen und hätte absolut kein Zeitproblem. Allerdings ist das die Variante mit den höchsten Reisekosten, denn die Fähre ist min. 3 Tage unterwegs (eine Kabine wäre also schon sinnvoll) und sie legt auch nicht jeden Tag ab, evtl. muss ich vorher ein paar Tage in Haines im Hotel verbringen (oder sonstwie die Zeit totschlagen).
  4. von Whitehorse mit dem Flieger nach Hause und irgendwas ganz anderes machen… wäre natürlich die „uncoolste“ Methode die Reise zu beenden, wobei sie ja nicht zwangsläufig beendet sein muss – ich hab z.B. mittlerweile ziemlich Lust bekommen mal wieder mit dem Rucksack unterwegs zu sein (die anderen Backpacker beim Trampen oder im Mietwagen machen mich neidisch :D)… meine Knie und mein Hintern würden es mir sicher danken ^^

Hab ja mindestens bis Haines Junction Zeit mir die Sache durch den Kopf gehen zu lassen, bei dem angekündigten Wind denke ich nicht, dass ich morgen die 120 km schaffen werde, also mindestens 2 Tage… 😉

Werde mich auch denke ich frühestens von Haines oder Whitehorse wieder melden können, also in etwa 4 Tagen, da ich erst dann wieder Aussichten auf WiFi oder Handy-Empfang habe.

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